Dienstag, 22. Dezember 2015

Ausstattungs- und Qualitätswunder

Test zur mechanischen Tastatur Lioncast LK30


Die mechanische Tastatur Lioncast LK30 im Test

Einleitung


Nachdem ich nach jahrelanger Nutzung von Rubberdome-Tastaturen die Vorteile von mechanischen Schaltern zu schätzen gelernt habe, kann ich auf das angenehme Schreibgefühl nicht mehr verzichten. Über die Logitech G710, der Roccat Ryos und des Cherry MX-Board 3.0 bin ich zur Lioncast LK20 Tenkeyless-Tastatur des Berliner Herstellers gekommen. In der Gaming-Szene hat sich Lioncast inzwischen einen Namen als Hersteller hochwertiger Gaming-Hardware gemacht und kann zu Recht behaupten, „anderen immer einen Schritt voraus“ zu sein, wie auf der Homepage als Leitspruch der eigenen Ansprüche zu lesen ist. Meine bisherigen Lioncast-Testberichte zur mechanischen Tastatur LK20 (blue und brown), dem Gaming-Headset LX16 Evo sowie den Mäusen LM20 und LM30 können das ohne Kompromisse bestätigen. Zu meinen Testberichten gesellt sich hiermit die Profi-Tastatur LK30 mit braunen Cherry-Switches hinzu.

Größenvergleich zwischen LK30 (oben) und LK20


Optik 9/10


Bilder können schnell einen falschen Eindruck der Lioncast LK30 vermitteln. Auf Fotos sieht dieses 1,8 Kilogramm schwere Produkt ziemlich klobig aus. Umso überraschter war ich beim Auspacken der Tastatur aus der hochwertigen Verpackung, wie aufgeräumt das Layout wirkt. Vor allem im Betrieb sieht die Tastatur durch die Beleuchtung mit weißen LEDs sehr edel aus. Da das Gerät sowohl an der Vorderkante als auch an der Hinterkante etwas höher ist, als bei vielen anderen Modellen, rückt die Stabilität und Robustheit in der Vordergrund. Sobald die Tastatur in Betrieb genommen und erste Texte geschrieben wurden, ist „klobig“ das letzte Wort, was einem zu dem Ausstattungswunder einfällt. Einzig die freie Fläche im oberen rechten Bereich der Tastatur erweckt den Eindruck, das dort noch mehr Tasten hätten Platz finden können.

Lieferumfang der LK30


Verarbeitung 10/10


Die stabil wirkende Tastatur sieht nicht nur robust aus, sie ist es auch. Den „Handtuchtest“ hat sie ohne Probleme bestanden (das Gerät wird „ausgewrungen“ wie ein nasses Handtuch) und zeigt, wie verwindungssteif das Produkt ist. Die Schalter geben ebenfalls keinen Anlass zur Kritik, da die hochwertigen braunen Switches von Cherry verbaut wurden. Jeder Tastenanschlag vermittelt ein angenehmes Feedback, egal ob beim Schreiben oder beim Gaming. Das hohe Gewicht der Tastatur macht ein Verschieben schwer, allerdings nur bei ausgeklappten Füßen für einen höheren Neigungswinkel der Schreibfläche. Im eingeklappten Zustand besitzt die LK30 nur an der vorderen Unterseite eine Gummierung.
Der Anschluss zum PC wird über ein gewebeummanteltes USB-Kabel hergestellt, dass an der LK30 an der Unterseite über einen Mini-USB-Port gesteckt werden muss. Anders als bei dem Cherry MX-Board 3.0, das ebenfalls über ein abnehmbares USB-Anschlusskabel verfügt, ist bei der LK30 eine sinnvolle Zugentlastung eingebaut. Das MX-Board hat deswegen mit vielen Defekten am Anschlussport zu kämpfen.

Sinnvolle Zugentlastung des USB-Anschlusskabels im Gehäuseboden


Ausstattung 10/10


Ohne nennenswerte Probleme darf sich die Lioncast LK30 die Krone mit der Bezeichnung „Ausstattungskönig“ in der Preisklasse von mechanischen Tastaturen bis 130 Euro aufsetzen. Es ist wohlgemerkt kein spezieller Treiber notwendig, um die Funktionen zu nutzen, die das Gerät bietet. Die Optik wird speziell durch die LED-Beleuchtung definiert, die sehr individuell eingestellt werden kann. Sinn- und eindrucksvoll ist vor allem der „Key Touch Mode“, der ein kurzes Aufleuchten der zuletzt gedrückten Taste bewirkt. Per Standard habe ich eine schwache Hintergrundbeleuchtung eingestellt, die Tasten leuchten nach einem Druck in ihrer stärksten Helligkeit auf und klingen dann langsam ab.
Auch nebenliegende Tasten können in diesen Effekt mit einbezogen werden, wirkte aber eher ablenkend. Interessant ist auch der Effekt, die Beleuchtung zu invertieren, was bewirkt, dass bei gedrückten Tasten die Beleuchtung ausgeschaltet wird und sich langsam auf die eingestellte Hintergrundbeleuchtung wieder hochskaliert. Eher als (eindrucksvolle!) Spielerei darf die Möglichkeit gesehen werden, die LEDs im Modus „Equalizer“ auf Umgebungsgeräusche mit verschiedenen Themen reagieren zu lassen. Ein integrierter Geräusch-Sensor macht es möglich.
Sinnvoll und praktisch sind die Makro-Funktionen, die die LK30 bietet. Vier verschiedene Makro-Arten sind dem Benutzer möglich. Das „Quick-Makro“ ignoriert alle Zeitintervalle zwischen den Aufnahmen der einzelnen Tastenanschläge und spielt alles so schnell hintereinander ab, wie es dem System möglich ist. „Timing Makro“ wiederum verhält sich exakt nach den Zeiten, die bei der Eingabe getätigt wurden. „Loop Makro“ wiederholt nach dem Timing-Makro-Prinzip die Befehle so lange, bis die Taste erneut gedrückt wurde. Die letzte Funktion, „Auto Makro“, drückt alle vorgesehenen Tasten gleichzeitig und so lange, bis die Taste erneut betätigt wird. Durch das „n-Key-Rollover“ ist es möglich, trotz des dauerhaften Makro-Pollings weiterhin Tastatureingaben zu tätigen und dass diese auch angenommen werden. Jeder Schalter wird von der Elektronik einzeln angesprochen, was zu sehr kurzen Reaktionszeiten führt.
Die Abtastrate kann ebenfalls jederzeit über die Fn-Tastenkombination in zehn verschiedene Abstufungen eingestellt werden. Maximal ist eine Polling-Rate von 1000 Hz möglich, was im Gaming-Bereich erforderlich und sinnvoll ist.

Umfangreiche LED-Konfigurationen ermöglichen Individualisierung


Bedienung 8/10


Bedingt durch die hochwertigen MX-Schalter ist das Schreibgefühl erstklassig. Es macht einfach Spaß, lange Texte auf der Tastatur zu schreiben. Vor allem die Paradedisziplin, das Gaming, meistert die LK30 mit Bravour und punktet mit einer sehr guten Rückmeldung über die betätigten Tasten. Das Layout ist großzügig gewählt und ist keinen Platzspar-Maßnahmen zum Opfer gefallen, wie es einige Hersteller bereits vorgemacht haben. Dadurch sind einige Tasten um Millimeter in der Position verrückt und machen die Bedienung schwer. Bei der LK30 sind aber alle Tasten für den alltäglichen Gebrauch an der zu erwartenden Stelle und lösen zuverlässig aus.
Lediglich drei kleinere Probleme schmälern ein wenig den positiven Gesamteindruck und Bedienbarkeit der Lioncast. Bei Verzicht auf die Nutzung der mitgelieferten Handballenauflage, die nicht fest mit der Tastatur verbunden und damit frei platziert werden kann, ist es mir beim Test öfter passiert, dass ich die untere linke Strg-Taste versehentlich gedrückt und damit eine Tastenkombination ausgelöst habe. Als weiterer Punkt ist mir aufgefallen, dass die zugehörigen Tasten zur Nutzung der Makro-Funktion beim Gaming an etwas schwer erreichbarer Stelle angeordnet sind. Zum Auslösen der Funktionen muss der Standard-WASD-Griff gelöst werden, um ein Makro auszuführen. Als letzter Punkt fehlen mir vor allem für die Programmierung die Drittbelegung-Beschriftungen auf den Tastenkappen.
Grundsätzlich gilt hier allerdings: Wer lange genug nach negativen Punkten sucht, findet auch welche. Dieser Text ist in einem Flow entstanden, wie es mit nur wenigen Tastaturen möglich ist. Das allein zeigt bereits die Qualitäten der Tastatur bei Nutzung im Alltag und worauf es wirklich ankommt.

Die Cherry-Brown-Switches gehören zu den besten Schaltern überhaupt


Fazit


Die Lioncast LK30 ist ein Ausstattungswunder und punktet mit sehr hoher Verarbeitungsqualität. Es entsteht ein angenehmer Schreibfluss, der die Erstellung langer Texte ohne Ermüdungserscheinungen ermöglicht. Durch die hohe Abfragerate und umfangreichen Makro-Funktionen kommen auch Gamer voll auf ihre Kosten, weswegen das aktuell 130 Euro teure Modell für alle empfohlen werden kann, die Wert auf Langlebigkeit, Anpassbarkeit und Komfort legen.

Bewertung


Optik 9/10
Verarbeitung 10/10
Ausstattung 10/10
Bedienung 08/10

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