Samstag, 29. Juli 2017

Produkttest Lioncast LK300 RGB - mechanische Tastatur mit roten Kailh-Switches


Einleitung


Sowohl aus meinem privaten Einsatzgebiet als auch aus meinem beruflichen Umfeld kann ich den Einsatz von mechanischen Tastaturen nicht mehr wegdenken. Privat setzte ich bisher eine LK20 von Lioncast ein, an meinem Arbeitsplatz steht eine LK30 vom gleichen Hersteller. Beide haben braune Cherry-Switches verbaut und bieten mir ein ideales Tippgefühl. Es hat sehr lange gedauert, bis ich eine Tastatur gefunden habe, die meinen Anforderungen gerecht wird. Vor zwei Jahren bin ich auf Lioncast aufmerksam geworden, die mit der LK20 eine schlichte und robuste TKL-Tastatur angeboten haben. Die LK30 ist ebenfalls schlicht, jedoch um Makro-Funktionalitäten (u.A.) erweitert worden.

Vor Kurzem wurde mit der LK300 eine weitere mechanische Tastatur in das Produktsortiment von Lioncast aufgenommen, diese verwendet jedoch rote Switches von Kailh und setzt optisch neue Akzente. Das notwendige Gewicht zur Auslösung der Schalter soll geringer sein und ich war neugierig, wie sich die Tastatur über die letzten Jahre weiterentwickelt hat. Mein nachfolgender Testbericht soll Aufschluss darüber geben.


Optik


Die Tastatur ist voll auf Gaming ausgelegt und macht auf dem Schreibtisch einiges her mit der gebürsteten Aluminiumplatte und der RGB-Beleuchtung. Die Beleuchtungsstärke habe ich etwas reduziert und nutze auch nur eine (1) Farbe aus dem Spektrum von 16,8 Millionen möglichen Farben und sehe die hohe Anzahl eher als Marketingstrategie an. Die blaue Beleuchtung von 8 Tasten bei der LK20 oder die weiße Beleuchtung der LK30 haben mir bisher ausgereicht. Bei der LK15 war die beleuchtete und nicht dimmbare Pipe sogar störend, wenn die Spiegelung im Bildschirm zu sehen war. Doch die Möglichkeit, die Tasten in jeder möglichen Farbe leuchten zu lassen, laden zum Ausprobieren ein und kann bei Außenstehenden auf jeden Fall für Eindruck sorgen.

Doch auch wenn die Beleuchtung reduziert oder deaktiviert ist, sieht die LK300 sehr edel aus und wirkt durch den reduzierten Rahmen nicht so klobig wie eine LK30. Alles sieht hochwertig und sauber verarbeitet aus.


Verarbeitung


Mit knapp einem Kilo Kampfgewicht wiegt diese Tastatur etwas weniger als der direkte Vorgänger. Durch die gummierten Füße und das hohe Gewicht kann die Tastatur im Eifer des Gefechts auch nicht versehentlich verschoben werden.

Die Verarbeitung ist gut bis sehr gut und es sind keine Spaltmaße zu entdecken. Auch die gummierten Caps machen einen hochwertigen Eindruck und sollten hohen Belastungen gewappnet sein. Einige der Tastenkappen weisen allerdings eine leichte Kante auf und sind an der Unterseite nicht entgratet. Dies stört bei der Benutzung der Tastatur aber nicht. Ob die Caps die vom Hersteller angegebene Anzahl an Betätigungen der Kailh-Switches überleben, kann ich nicht sagen. 80 Millionen Auslösungen sind schon eine Hausnummer. Länger als die Caps der Logitech G710+ werden die der Lioncast-Tastatur auf jeden Fall halten. Bereits nach wenigen Tagen sind mir bei der Logitech die Halterungen der Kappen gebrochen, weshalb das Teil wieder in den Rückversand ging. Bei den Lioncast-Produkten sind auch nach zwei Jahren täglicher Nutzung keine Defekte aufgetreten und erwarte das auch nicht bei der LK300.


Ausstattung


Die RGB-Tasten- und Hintergrundbeleuchtung ist eines der Top-Features der Tastatur, es sind viele optische Spielereien und Einstellmöglichkeiten der Beleuchtung möglich. Anzumerken ist, dass einige Tasten jedoch nicht komplett ausgeleuchtet werden, das ist im Einsatz aber nicht weiter störend. Auch eigene Tasten für Makro- und Multimediafunktionen gehören zum Umfang, benötige ich aber nicht - zudem diese Tasten nicht mechanisch arbeiten.

Anstatt der Sondertasten hätten mir persönlich ein USB-Port oder ein Kopfhöreranschluss eher zugesagt, das fehlt bislang an den Lioncast-Tastaturen. Auch ein steckbares USB-Kabel für den Anschluss am Computer wäre von Vorteil gewesen, wie es bei der LK30 bereits der Fall war, doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Lieber habe ich ein fest verbautes Kabel, das auch Belastungen aushält, als ein wackeliger USB-Port wie bei dem Cherry MX Board 3.0, das ich bereits nach wenigen Stunden Einsatz zurückschicken musste, weil ein Wackelkontakt vorlag.


Praxiseinsatz


Die LK300 wird hauptsächlich zum Schreiben längerer Texte eingesetzt oder als Eingabegerät für Videospiele. Im Gegensatz zu den in der LK30 verbauten Cherry-Brown-Switches verfügen die roten Kailh-Schalter über keine taktile Rückmeldung, der notwendige Tastendruck zur Auslösung ist aber ähnlich niedrig.

Schreiben

Vor allem längere Texte, wie diese Produktrezension, lassen sich mit der Tastatur mühelos schreiben, ohne dass die Hände ermüden oder verkrampfen. Anfangs habe ich die Rückmeldung der Brown-Taster vermisst, da ich mich nach meiner Umstellung auf mechanische Tastaturen vor zwei Jahren sehr daran gewöhnt hatte, doch nach einer kurzen Eingewöhnung ist das Schreibgefühl auch mit den linearen roten Kailh-Schaltern sehr gut.

Gaming

Zum Zocken eignet sich die Tastatur perfekt. Es ist keine taktile Rückmeldung notwendig und der Auslösedruck ist sehr gering. Vor allem für Spiele, die eine hohe Reaktion erfordern, wie z.B. CS:GO, ist die Tastatur geeignet. Auch schnelle Arcade-Games lassen sich gut spielen, kann ein Gamepad aber nicht ersetzen. Mit wenig Bewegung lassen sich zudem viele Tasten erreichen, da auch die Funktionstasten nahe an der Zahlenreihe liegen.

Sonstiger Einsatz

Im Vergleich zur LK30 muss ich noch ein kleines Detail erwähnen, das nachgeholt wurde: Es sind endlich alle Bezeichnungen auf den Caps enthalten! Bei dem Vorgänger-Modell fehlte die Beschriftung der dritten Belegung, was viele Anwendungsmöglichkeiten etwas eingeschränkt hat, zum Beispiel Softwareentwicklung, bei der häufig Klammern wie []{} eingesetzt werden.

Software


Ich bin kein großer Freund von Treibern und zu installierender Software, damit das Produkt funktioniert. Vor allem bei Eingabegeräten ist dies aus meiner Sicht überflüssig. Auf die Spitze der Unmöglichkeit hat es Razer bei seiner Maus Deathadder Chroma getrieben, bei der eine Treibersoftware zwingend installiert werden muss, und eine Online Registrierung erfordert, damit überhaupt die DPI angepasst werden kann.

Besser macht es Lioncast. Es wird keine Treiber-CD mitgeliefert (was aus heutiger Sicht sowieso eine Verschwendung von Ressourcen wäre - wer besitzt denn noch mechanische Laufwerke?), eine optionale Software kann aber auf deren Page heruntergeladen werden. Wie geschrieben, ist die Software optional, alle Einstellungen können auch per FN-Tastenkombination getätigt werden, was ich persönlich super finde. Keine zusätzliche Software muss für den vollen Funktionsumfang installiert werden. Wie die Tastatur und die Kombinationen zu bedienen sind, kann in der 18-seitigen PDF-Datei nachgelesen werden, die ebenfalls an gleicher Stelle heruntergeladen werden kann.

Wer die Software installiert, findet eine einfach zu bedienende Oberfläche vor, die schnell das gewünschte Erscheinungsbild der Tastatur einstellen lässt. Auch Makro-Funktionen können so besser und schneller verwaltet werden, genauso wie einzelne Tasten für Medienfunktionen angepasst werden können.


Fazit


Die Optik der Tastatur ist überragend und macht Eindruck auf jedem Schreibtisch. Das Schreibgefühl ist ebenfalls super und vor allem reaktive Games machen Laune. Lediglich die fehlenden Anschlüsse wie USB-Ports trüben das sonst sehr stimmige Gesamtbild ein wenig. Die Verarbeitung ist sehr gut und lassen auf ein langlebiges Produkt schließen, weswegen die 120 Euro gut angelegt sind. Mehr Tastatur gibt es für das Geld nicht.

Zusammenfassung Pro / Contra


Pro
+ Edle Optik
+ Gute Verarbeitung
+ Sehr gutes Schreibgefühl
+ Sehr schnelle Auslösung
+ Beleuchtung
+ Software nur optional

Contra
- Keine USB- oder Audioports
- Anschlusskabel fest verbaut
- Makro- und Multimediatasten nicht mechanisch
- Caps an Unterseite teils scharfkantig

Bewertung


Optik: 10/10
Verarbeitung: 9/10
Ausstattung: 8/10
Schreiben: 10/10
Gaming: 10/10

Gesamt: 47/50 Punkte (94%)



Update 15.09.17


Nach ein paar Wochen Dauernutzung ist es Zeit für ein kurzes Update:

Die LK300 hat meine lieb gewonnene LK20 verdrängt! Lange habe ich nach der perfekten Tastatur für mich gesucht und diese in der LK20 von Lioncast gefunden. Das TKL-Design sagt mir zwar noch immer zu, aber die LK300 sieht eindeutig besser aus. Die Flexibilität mit der Tastenbeleuchtung ist ein eindeutiger Vorteil. Die LK20 nutze ich nun an meinem Arbeitsplatz!

Aufgezählte Negativpunkte sind kaum noch von Belangen. Die Makrotasten nutze ich nicht, daher stören mich weder Position noch Ausführung. Es lässt sich super auch ohne Handballenablage schreiben und die roten Switches sind super. Das lineare Tippgefühl ist ebenso gut wie bei den Cherry-Brown Schaltern, wenn auch ohne Rückmeldung über den Umschaltpunkt.

Einen Wunsch für die nächste Tastatur-Iteration habe ich aber trotzdem noch an Lioncast: Bitte bringt von der LK300 eine TKL-Variante raus! Die LK300 RGB TKL wäre für mich dann so nah an der perfekten Tastatur, wie es lange keine war und sein wird!

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