Freitag, 24. Juni 2016

Der neue Kindle Oasis - eReader der Luxusklasse

Der neue Kindle Oasis im Test

Einleitung


Es ist immer spannend, wenn Amazon neue Produkte auf den Markt bringt. Oft ist das mit kreativen Ideen und Innovationen verbunden, wie viele Produkte in der Vergangenheit bewiesen haben. Mit dem neuen Kindle Oasis verabschiedet sich Amazon von dem lange beibehaltenen Kindle-Formfaktor und führt zudem ein neues Akku-Konzept ein. Zwar wird der Benutzer weiterhin gezwungen, ein Amazon-Konto zu besitzen - doch wer hat das nicht?
Eines vorab: Der Oasis ist sicher nicht für jeden Nutzer geeignet, das bestimmt auch schon der Preis von bis zu 350 Euro. Doch für viele Bücherwürmer ist es genau das Gerät, auf das schon lange gewartet wurde.



Lieferumfang des Oasis


Handhabung


An der Bedienung selbst wurde nicht viel geändert - wer bereits ein Kindle mit Touch-Display besitzt, wird super mit dem neuen Gerät zurecht kommen. Durch das deutlich verringerte Gewicht des Oasis (ohne Hülle) ist die Handhabung aber einmalig geworden. Es macht einfach nur Spaß das Gerät auszupacken, anzufassen und anzusehen - und natürlich damit zu lesen.
Durch die Gewichtsverlagerung des Akkus ist das Kindle kaum mehr zu spüren, auch mehrstündiges Lesen beeinträchtigt nicht das Handgelenk. Doch selbst mit der Akku-Hülle ist es noch angenehm zu halten. Die Vorgängermodelle habe ich ebenfalls stets mit Hülle genutzt und waren damit deutlich schwerer, als die neueste Version.

Die Vorgängermodelle wirken regelrecht klobig gegenüber dem Oasis


Akku


Das neue Akkukonzept ist sehr durchdacht und aus meiner Sicht schlichtweg genial. Warum soll ich immer die volle Power im Gerät haben, obwohl ich es maximal drei Stunden am Stück nutze? Dann reicht es auch, nur die notwendige Energie zur Verfügung zu haben und über die Hülle den Akku zu laden. Der Oasis landet nach jeder Benutzung eh wieder in der Hülle.

Über Magnetkontakte findet die Hülle halt


Das Konzept ist der heutigen Nutzung sog. Powerbanks entlehnt. Viele Smartphone-Benutzer tragen einen externen 20k mAh Akku mit sicher herum, um im Notfall Energie für ihr Smartphone dabei zu haben, falls es mal schlapp macht. Viele der heutigen Telefone schaffen es kaum über einen Tag mit einer Akkuladung.
Daraus hat Amazon mehrere Vorteile gezogen. Einen schlankeren und leichteren eBook-Reader hat es bis jetzt noch nicht gegeben. Zudem entfällt der Kauf einer Hülle, die ich bei jedem Kindle gleich mitbestellt habe.

Der Oasis ist der bisher kleinste Kindle


Einen kleinen Wermutstropfen hat der Akku jedoch. Bei meinem Gerät ist mir eine verhältnismäßig hohe Selbstentladung aufgefallen. Der Kindle selbst verliert pro Nacht (ca. 8 Std.) knapp zehn Prozent an Akkuleistung - trotz aktiviertem Flugzeugmodus. Die Hülle verliert an zwei Tagen (48 Stunden) ebenfalls ca. zehn Prozent an Energie. Das heißt also, wenn der Kindle nur rumliegt und nicht benutzt wird, muss dieser nach knapp drei Wochen wieder an die Steckdose. Doch da habe ich Hoffnung, dass ein Software-Update Besserung verspricht.

Display


Vor allem im direkten Vergleich zum "einfachen" Kindle der 5. Generation (167 ppi) oder dem ersten Paperwhite (212 ppi) macht sich die hohe Displayschärfe von 300 ppi bemerkbar. Während das Auge bei 167 ppi noch einzelne Bildpunkte wahrnehmen kann, ist bei den aktuellen Kindles, die alle auf 300-ppi-Display setzen (ab Paperwhite), keine Unschärfe mehr zu erkennen. Alles wirkt wie ein gedrucktes Buch.

167 ppi gegen 212 ppi gegen 300 ppi

Vergrößerung: 167 ppi

Vergrößerung: 300 ppi


Auch die Displayhelligkeit kann frei den eigenen Ansprüchen eingestellt werden. Die maximale Helligkeit wurde im Vergleich zum bereits sehr gut ausgeleuchteten Voyage sogar noch ein wenig gesteigert - in der Praxis ist das jedoch nicht notwendig. Ich lese oftmals bei nur 60% Displayhelligkeit, was für mich völlig ausreichend ist.
Etwas störend ist die Anordnung der LEDs, die für die Ausleuchtung des Displays zuständig sind. Bei den Vorgängergeräten waren diese noch an der Unterseite angebracht, beim Oasis jedoch an der Seite. Leider wird das Problem mit den Lichthöfen weitervererbt, das hat Amazon noch nicht ganz in den Griff bekommen. Beim Oasis fällt das Problem aber deutlicher auf als z.B. beim Paperwhite, da am Ende jeder Zeile (oder am Anfang, je nach wie herum man das Gerät hält) die Beleuchtung stärker oder schwächer ist als beim Rest der Anzeige. Mich hat das vor allem am Anfang stark irritiert und aus dem Lesefluss gerissen. Bei einem so teuren Luxus-Gerät würde ich das nicht erwarten.

Fazit


Die abschließende Frage lautet: Ist der Kindle Oasis 290 Euro (Wlan) bzw. 350 Euro (Wlan+3g) wert? Natürlich muss das jeder für sich entscheiden. Der Oasis hat weiterhin mit Lichthöfen zu kämpfen. Ohne die Hülle ist eine Akkuladung nicht viel wert. Doch diese Nachteile würde ich den Vorteilen und dem Lesekomfort unterordnen. Es macht Spaß und ist eine Freude, den Kindle zu benutzen, die Haptik ist grandios. Für mich ist der Preis okay und angemessen. Es ist ein Luxus-Objekt, das man nicht unbedingt benötigt, es aber trotzdem schön ist, wenn man es hat.

Edel und hochwertig verarbeitet

Auch mit Hülle ist der neue Kindle noch schlank

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