Freitag, 13. Oktober 2017

Achtung Trojaner! (Test vom Smartphone Leagoo Z5c - Viel Smartphone für wenig Geld)

Schade, schade schade! Leider muss ich vor diesem Smartphone ausdrücklich warnen. Es ist vor kurzem bekannt geworden, dass dieses Smartphone bereits ab Werk mit einem vorinstallierten Trojaner ausgeliefert wird. Das ist natürlich ein absolutes No-Go, weswegen ich eine deutliche Warnung vor dem Gerät aussprechen muss. Schade um das gute Preis-/Leistungsverhältnis, aber jetzt ist klar, um welchen Preis dieses erkauft wurde!


Nachfolgend mein ursprünglicher Testbericht:

Einleitung


Bereits seit vielen Jahren habe ich die Angewohnheit, mir jährlich ein neues Smartphone anzuschaffen. Das wäre zunächst kein Problem, müsste es nicht immer ein Flaggschiff der Top-Firmen sein, z.B. Samsung, LG oder HTC. Es ist daher an der Zeit, etwas über den Tellerrand zu schauen und zu prüfen, ob auch günstige Einsteigermodelle die Funktions- und Leistungserwartung eines Standard-Android-Benutzers erfüllen können.

Aufgefallen ist mir das in China gefertigte Smartphone Leagoo Z5c, das bei Amazon für knapp 60 Euro angeboten wird. Auf anderen einschlägigen Internetplattformen kann das Gerät sogar schon ab 40 Euro erworben werden. Das ist ein absoluter Kampfpreis für ein Smartphone, das alle Funktionalitäten mitbringen soll, die im Alltag benötigt werden. Doch welche Abstriche muss der Anwender machen und mit welchen Einschränkungen muss er leben?


Lieferumfang


Zum Lieferumfang gehören neben dem Smartphone und einem austauschbaren Akku auch ein USB-Ladekabel und Netzadapter. Außerdem liegen dem Paket Kopfhörer bei, die jedoch keinen hohen Ansprüchen gerecht werden können. Trotzdem hätte ich bei dem Preis nicht damit gerechnet, auch Kopfhörer vorzufinden. Vor dem Einsatz des Akkus in das Gerät muss darauf geachtet werden, die Schutzfolie von den Anschlüssen des Akkus zu entfernen.

Außerdem ist auch eine kurze Anleitung dabei, die aber nicht benötigt wird. Sowohl Inbetriebnahme als auch Installation und Einrichtung gehen schnell und einfach von der Hand und innerhalb weniger Minuten ist das Smartphone fertig eingerichtet.



Ausstattung


Die Besonderheit an diesem Smartphone ist die Dual-SIM-Fähigkeit. Dabei ist es möglich, zeitgleich zwei verschiedene SIM-Karten in das Gerät einzusetzen. Ein Slot ist für die normale Mini-SIM vorgesehen, der andere Slot für Micro-SIM. Zusätzlich dazu passt auch noch eine Micro-SD(HC)-Karte in den dafür vorgesehen Einschub - bei einigen Herstellern gibt es nur die Möglichkeit, entweder SIM2 zu nutzen oder Micro-SD. Bei diesem Smartphone geht beides.



Neben der Front- und der Hauptkamera, auf die ich später noch eingehen werde, ist das Leagoo mit 8 GB internem Speicher ausgestattet, wovon nach Inbetriebnahme knapp 2,3 GB belegt sind. Es stehen dem Benutzer daher 5,7 GB frei zur Verfügung, was für viele Anwendungsbereiche ausreichen dürfte.


Software


Als Betriebssystem wird Leagoo OS 2.0 eingesetzt, welches auf Android 6 (Marshmallow) basiert. Neben einigen kleineren Übersetzungsfehlern und gelegentlichen Abstürzen von Apps, gab es nur ein einziges Mal Schwierigkeiten beim Deaktivierung von Bluetooth. Daraufhin startete das Smartphone neu, Bluetooth konnte erst beendet werden, wenn die GPS-Standort-Genauigkeit nicht mehr von WLAN und Bluetooth unterstützt wurde. Dies stufe ich aber als Kleinigkeit ein, jede Software hat ihre Probleme und der genannte Fehler trat nur unter dieser bestimmten Konstellation auf.



Abgesehen von den beschriebenen Erfahrungen läuft Android sehr stabil auf der Hardware, alle Apps für den täglichen Einsatz können verwendet werden. Es gibt vollen Zugriff auf den Google Play Store und alle Google-Apps können ohne Einschränkungen verwendet werden. Auch Facebook, Instagram und WhatsApp laufen gut und flüssig. Spiele habe ich keine ausprobiert, da ich zum einen keine Mobile-Games spiele und mir zum anderen bewusst ist, dass die Hardware nicht auf Gaming ausgelegt ist.



Das China-Phone ist mit überraschend wenig Bloatware verseucht. Das von Leagoo angepasste Android bringt lediglich einige wenige Änderungen gegenüber der Stock-Version mit, wie z.B. ein Power-Saver für Energiesparmaßnahmen, eine angepasste Touch-Tastatur oder die Leagoo-Theme. Nicht deinstallierbare Apps oder vorinstallierte Apps mit In-App-Käufen sind keine auf dem Gerät vorhanden. Das finde ich super!



Verarbeitung


Bei einem derart günstigen Gerät hätte ich erwartet, dass es bei der Verarbeitung deutliche Mängel gibt. Doch es sind keine Spaltmaße zu erkennen, das Display ist sauber im Rahmen eingefasst und das Cover auf der Rückseite sitzt stabil am Gerät. Zwar merkt man bereits am geringen Gewicht, dass es sich aufgrund der Materialwahl um kein hochpreisiges Produkt handelt, doch es liegt angenehm in der Hand. Die seitlich angebrachten Schalter lassen sich gut drücken und weisen auch nach ein paar Wochen Praxiseinsatz keine Ermüdungserscheinungen auf. Nach 60 Euro sieht das Gerät definitiv nicht aus!



Display


Das FWVGA-Display löst mit 480 Pixel in der Horizontalen und 854 Bildpunkte in der Vertikalen auf, was eine Pixeldichte von knapp 196 PPI ergibt. Das ist kein besonders hoher Wert und die einzelnen Bildpunkte lassen sich ohne Anstrengung erkennen. Im Praxiseinsatz stört das jedoch kaum. Das Display ist sehr hell und es ist damit ein sehr hoher Kontrast möglich. Texte und auch kleine Schriftgrößen, wie ich sie gerne einsetze, lassen sich sehr gut vom Display ablesen.



Leider ist das Display nicht sehr blickwinkelstabil. Die eingangs erwähnte gute Ablesbarkeit des Displays besteht nur bei direktem Blick auf das Gerät. Sobald das Smartphone etwas gekippt wird, leiden die Helligkeit und Farbechtheit der Darstellung. Zudem ist das Smartphone auf vertikalen Betrieb ausgelegt. Sobald das Z5c gekippt wird und in Seitenlage z.B. ein Video angeschaut wird, kann das für die Augen anstrengend sein, da beide Augen unterschiedliche Helligkeiten des Displays wahrnehmen.

Berührungen nimmt das Display ohne Verzögerungen wahr und es lassen sich sehr schnell Eingaben tätigen. Für Schnellschreiber eignet sich das Gerät daher durchaus. Sehr vorteilhaft ist auch die Erkennung von Gesten, auch im Stand-By-Betrieb des Gerätes. Z.B. kann das Leagoo per Double-Touch auf das Display aufgeweckt werden, was hier 'Smart Wake' genannt wird. Klar kennt man das schon von vielen anderen Herstellern, hier hätte ich das jedoch nicht unbedingt erwartet.

Das Display ist bereits ab Werk mit einer Folie versehen, um mögliche Kratzer so gut es geht zu vermeiden und das Panel zu schützen. Nach den ersten Wochen im Einsatz kann ich auf dem Display keine Kratzer erkennen.

Akku


Der erste Eindruck kann oft täuschen, so auch bei dem Leagoo Z5c. Gerne hätte der 2300 mAh Akku noch ein paar mAh mehr vertragen können, vor allem in den ersten Tagen musste das Gerät täglich an das Ladekabel, ohne dass es viel in Betrieb war. Inzwischen scheint sich Android fertig konfiguriert zu haben und nach mehreren Ladezyklen hat sich der tägliche Strombedarf auf knapp zwei Tage ausgeweitet - wohlgemerkt bei dauerhaft aktiviertem WLAN, mobile Daten über 3G sowie GPS und minütlicher Standortabfrage. Damit liegt es gleichauf mit dem aktuellen Flaggschiff von Samsung.

Kamera


Wie fast jedes aktuell erhältliche Smartphone hat auch das Z5c zwei Kameras zu bieten, je eine auf der Vorder- und auf der Rückseite. Die "Selfie-Kamera" bietet mit 2 MP eine Auflösung von 1600 x 1200 Bildpunkte, die rückseitig angebrachte Knipse löst mit 5 MP und 2592 x 1944 Pixel aus. Für Schnappschüsse ist das mehr als okay, vor allem weil die Bilder auf der Speicherkarte nur wenig Speicherplatz verbrauchen.

Die Qualität der Bilder kann allerdings nicht mit der eines Samsung Galaxy S8 oder LG G6 verglichen werden. Die Bilder sind verrauscht, verschwommen und artefaktlastig. Zudem liegt die Vermutung nahe, dass die Bilder keinen 'echten' 2 bzw. 5 MP entsprechen, sondern hochskaliert werden. Für Schnappschüsse reicht es aber allemal - für mehr jedoch nicht.

Performance


Angetrieben wird das Leagoo von einem ARM-Prozessor des Typs Cortex-A7 mit 1,3 GHz Taktfrequenz und vier Kernen. Der Grafikprozessor hat zwei Kerne zur Verfügung und versorgt den ARM Mali-400 MP2-Chip mit 400 MHz. An Arbeitsspeicher steht 1 GB RAM zur Verfügung.

Das ist im direkten Vergleich mit den Marktführern nicht sehr viel, reicht im Arbeitsalltag aber mehr als aus. Einem Benchmarktest will ich das Z5c nicht unterziehen, da wird es auf ganzer Linie versagen. doch das sind nur Zahlen, was zählt ist die Praxistauglichkeit. Und die ist durchgehend vorhanden. Keine meiner Apps hat zu lange geladen, ein Neustart des Smartphones geht zügig und Displayeingaben werden schnell und korrekt erkannt. Auch der fliegende Wechsel zwischen mehreren Apps geht zügig und ohne Probleme von der Hand. Tippen von Messages kann ebenfalls in einer hohen Geschwindigkeit erfolgen, lange Ladezeiten habe ich keine festgestellt.

Im direkten Vergleich zum Galaxy S8 fällt natürlich auf, dass Apps auf dem teuren Gerät innerhalb weniger Zehntelsekunden geöffnet sind - beim Leagoo kann das schon Mal eine Sekunde dauern. Doch dafür kostet es auch nur ein Zehntel von dem, was aktuell für das Samsung auf den Tisch zu legen ist.


Praxiseinsatz


Ich habe das Leagoo Z5c über mehrere Wochen einem ausführlichen Härtetest unterzogen und bin auch nicht übermäßig vorsichtig damit umgegangen. Aufgefallen ist mir vor allem, wie robust dieses Gerät ist. Stürze auf Stein hat es bis auf kleinere Macken in der Plastikabdeckung ohne weitere Schäden überstanden und auch das Display hat keine Kratzer davongetragen - ich nutze weder einen zusätzlichen Displayschutz noch eine Handyhülle.

Die Erreichbarkeit und Empfangsqualität sind sehr gut, es sind mir keine Ausfälle aufgefallen. Auch der automatische Wechsel zwischen 3G und WLAN funktioniert ohne Probleme. Alle von mir benötigten Apps laufen ohne Probleme und ich komme mit dem Smartphone gut über den Tag. Ab und zu fehlte mir zwar eine Benachrichtigungs-LED oder ein Always-On-Display, aber mit den Einschränkungen kann ich leben.

Auch nach längerer Laufzeit ohne Neustart des Gerätes sind noch keine Lags oder Performanceeinbrüche aufgefallen. Die Bedienung geht gut von der Hand, vor allem auch weil das Phone so griffig in der Hand liegt. Alle Bedienelemente sind auch mit mittelgroßen Händen ohne Probleme zu erreichen.

Fazit


Es hat mich sehr überrascht, wie viel Smartphone für verhältnismäßig wenig Geld möglich ist. Sowohl die Optik ist ansprechend, als auch die Leistung überzeugt. Ein direkter Vergleich mit 600-Euro teuren Top-Modellen ist nicht nur unfair, sondern auch nicht möglich, da dieses Smartphone gerade einmal ein Zehntel davon kostet. Und für diesen Preis stimmt die Leistung und der Funktionsumfang, der geboten wird. Das Smartphone läuft stabil, reagiert schnell und ist den täglichen Anforderungen durchaus gewachsen. Wer mit den aufgezählten Einschränkungen leben kann, kann daher bedenkenlos zuschlagen!



Zusammenfasssung


Positiv

  • Performance für 60 Euro super
  • Einrichtung einfach, technisch alles notwendige an Board
  • Auflösung des Displays reicht völlig aus
  • liegt griffig in der Hand
  • optimal für Messaging per E-Mail oder WhatsApp
  • zwei Plätze für Sim-Karten sowie eine Speicherkarte
  • auch für schnelles Tippen von Nachrichten geeignet
  • Arbeitsgeschwindigkeit ist gut und ausreichend im Alltag
  • Reaktion des Displays sehr gut
  • 'Smart Wake'-Funktion
  • keine Bloatware
  • Sehr robust


Neutral

  • Verarbeitung ist okay
  • Akkuleistung zufriedenstellend


Negativ

  • Display stark blickwinkelabhängig
  • schlechte Kamera
  • Einige wenige Bugs in Zusammenhang mit Bluetooth
  • Apps stürzen ab und zu ab
  • keine Benachrichtigungs-LED

Update vom 01.03.2018


Da ich das Gerät als Zweithandy einsetze und nicht täglich benutze, liegt es auch öfter mal über längere Zeit in der Schublade. Zwischenzeitlich lag es einen Monat lang unangetastet herum und konnte trotzdem noch eine Akkustand von 90% aufweisen. Zuvor wurde es vollständig aufgeladen.

Leider ist zu beobachten, dass bereits nach weniger Nutzung das Display Pixelfehler aufweist. Es sind bisher zwar nur zwei Pixel, diese sind aber gut sichtbar. Mich persönlich stört es nicht so sehr, finde es aber trotzdem wichtig zu erwähnen.

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