Sonntag, 27. September 2015

Test der mechanischen Tastatur Lioncast LK20

Klassensieger auf ganzer Linie – Test der Lioncast LK20


Einleitung


Test der Lioncast LK20
Die Auswahl an Tastaturen, die es aktuell am Markt gibt, ist schier unendlich. Sobald es jedoch um Qualität geht, reduziert sich die Zahl an hochwertigen Tastaturen drastisch. Kommt dann noch der Faktor Preis/Leistung ins Spiel, wird es sehr übersichtlich.

Zunächst gilt es jedoch zu unterscheiden, welche Technik bevorzugt wird. Soll es eine Rubberdome sein, die Gummikuppen unter den Tasten verwendet, oder lieber eine mechanische Tastatur, die zwar lauter und teurer ist, aber sonst keine Nachteile gegenüber den günstiger produzierten Modellen ausweist?

Nach 25 Jahren Rubberdome-Nutzung und vielen billigen Tastaturen war die Antwort klar: Keine Lust mehr auf den jährlichen Wechsel vom Eingabegerät und deren schnelle Abnutzung. Bei einem schwammigen Druckpunkt, billiger Tastenrückmeldung und klapprigem Gehäuse vergeht jedem die Lust auf Schreiben.

Die Tastatur bietet beleuchtete Pfeil- und WASD-Tasten
Es musste daher eine mechanische Tastatur her, die optimalerweise Cherry-Schalter verwendet. Diese gelten als besonders hochwertig und langlebig. Doch gerade bei diesen Modellen schießt der Preis schnell in die Höhe. Eine Eingrenzung des Kaufpreises auf maximal 100 Euro half bei der Findung der perfekten Tastatur für Gaming und Blogging.

Modellwahl


In der engeren Auswahl standen zunächst das Cherry MX-Board 3.0 sowie die Logitech G710+. Während bei der Cherry-Tastatur freie Wahl für die Art der Schalter besteht, werden bei der Logitech die braunen Taster eingesetzt. Jeder Schalter hat eine eigene Art und es muss ausprobiert werden, welche Druckstärke und Rückmeldung als am angenehmsten empfunden wird. Zusätzlich zu diesen beiden Tastaturen gesellte sich die Roccat Ryos dazu.

Neben der Tastatur liegen auch farbige Tastenkappen und
eine Handballenauflage dem Lieferumfang bei
Doch die Ernüchterung folgte schnell, nachdem viele Testberichte und ein eigener Test dieser Geräte verschiedene Mängel aufgedeckt haben. Das Cherry-Board kann mit einem sehr gutem Schreibgefühl punkten, doch die Verarbeitung und Materialwahl sind für diese Preisklasse unangemessen. Die Tastenkappen nutzen sich bereits nach wenigen Tagen ab, und was noch viel schwerer wiegt, nach nur wenigen Wochen klagen viele Nutzer über defekte Boards. Die USB-Buchse ist flächendeckende Ursache eines Wackelkontaktes auf der Platine, da für das Kabel keinerlei Zugentlastung vorgesehen ist.

Auch die G710+ von Logitech hat mit Verarbeitungsmängeln zu kämpfen. Viele Tasten, selbst wenn diese nur wenig genutzt wurden, brechen vom Schalter ab. Durch den individuellen Formfaktor einiger Kappen ist ein Ersatz einzelner Kappen nur schwer möglich. Zudem hat das Modell mit sporadischem Ausfall der Beleuchtung zu kämpfen. Die Ryos von Roccat ist ebenfalls von Ausfällen der Beleuchtung geplagt, was bei einem über 100 Euro teurem Modell nicht sein darf.

Die LED zur Beleuchtung der Tasten sitzt direkt über
den Schaltern
Eher per Zufall bin ich auf eine kompakte „Tenkeyless“-Tastatur von dem eher unbekannten deutschen Hersteller Lioncast aus Berlin gestoßen. Tenkeyless beschreibt das Weglassen des Nummernblockes, der von Gamern eher selten genutzt wird. Das Modell, die LK20, ist direkt auf Gamer abgestimmt und verspricht lange Haltbarkeit, Robustheit sowie intuitive Bedienbarkeit. Angeboten wird das Modell mit braunen und blauen Cherry-Schaltern.

Optik


Bereits beim Öffnen der sicher verpackten Tastatur erscheint alles kompakt und stabil. Das Gerät sieht nicht nur stabil aus, das ist es auch. Die Tastatur lädt zum Schreiben und Tippen ein, die optische Aufmachung reduziert sich auf das Wesentliche und Wichtigste: Die Tasten. Durch das Weglassen des Nummernblocks gliedert sich die LK20 auch auf kleinen Schreibtischen wunderbar ein.

Problemloses Entfernen der Tastenkappen
Die Optik überzeugt und zeugt von hoher Wertigkeit. Am vorderen Rand ist die Lioncast ca. 2,2 cm, am hinteren Rand 3,2 cm hoch. An jeder Stelle kommt aber die Ausrichtung auf Spieler gut zur Geltung, ohne Kompromisse ist die LK20 auf das Gaming ausgelegt. Das zeigt auch die Tastenbeleuchtung, die sich auf die Pfeiltasten sowie WASD reduziert. Die Beleuchtung kann in drei unterschiedliche Leuchtstärken geregelt werden, als kleine Spielerei ist außerdem ein 'Pulse-Modus' möglich.

Verarbeitung


Die Verarbeitung ist derart gut, dass im Ernstfall die ca. 1 Kilogramm schwere Tastatur die erste Wahl für eine effektive Selbstverteidigung wäre. Die LK20 ist sehr verwindungssteif, nichts knarzt oder klemmt. An der Stelle, an der die Tastatur abgestellt wird. bleibt sie auch. Ein Verschieben ist durch die gummierten Füße und das hohe Gewicht kaum möglich.

Die LK20 hat ein stabiles Erscheinungsbild
Durch die hochwertige Verarbeitung wird der optische Ersteindruck bestätigt, dass es sich bei dem Modell um keinen Billigheimer aus den Restverkäufen des heimischen Verbrauchermarktes handelt.
Auch die Tastenkappen sind nicht billig gefertigt, wie es bei teureren Mitbewerbern der Fall ist. Die Kappen sitzen fest, lassen sich aber trotzdem problemlos mit der mitgelieferten Tastenkralle austauschen und gegen die blauen, mitgelieferten Gamer-Kappen tauschen. Auch seitliche Kräfte können die Tasten gut ausgleichen, bei der Logitech G710+ führt das schnell zum Brechen der Führungsbuchse an den Kappen.

Angeschlossen wird das Gerät über ein fest angebrachtes, ca. 1,8 Meter langes USB-Kabel, das über einen vergoldeten USB-Stecker verfügt. Damit sollen die Signale auch nach vielen Jahren noch einwandfrei übertragen werden.

Funktionen


Die LK20 bietet ein vergoldetes USB-Anschlusskabel
Neben der Beleuchtung der Pfeil- und WASD-Tasten hat die Tastatur auch übergreifende Funktionen zu bieten, was die Steuerung von Multimedia-Programmen angeht. Anstatt zweier Windows-Tasten ersetzt die rechte Version die 'Fn'-Taste, die Sonderfunktionen über die Funktionstasten ermöglicht. Neben dem Aufruf von Standard-Programmen kann der Mediaplayer darüber bedient werden, inklusive einer Lautstärkeregelung. Zudem kann die Windows-Taste deaktiviert werden, was vor allem beim Spielen sinnvoll ist, falls die Taste versehentlich gedrückt wird.

Schreibgefühl


Die Tasten haben den perfekten Abstand zueinander, es entsteht ein runder Schreibfluss. Obwohl die Lioncast auf Gamer ausgelegt ist, ist ein ermüdungsfreies Schreiben möglich. Gewöhnung braucht die hohe vordere Kante der Tastatur, die aber durch die mitgelieferte Handballenauflage ausgeglichen wird. Nach vielen geschriebenen Texten kann ich aber sagen, dass die erhöhte Kante nicht stört, sondern sogar zu einem bewussteren Schreiben geführt hat.

Mit den braunen Tastern ist leises Schreiben möglich
Die Tastenkappen der LK20 haben im Gegensatz zum Cherry MX-Board 3.0 eine normale Höhe, was eher der klassischen Tastatur entspricht und weniger der sich Notebooktastaturen annähernden Variante. Egal welche Art Schalter verwendet wird, das Schreiben gibt stets eine positive Rückmeldung über die betätigte Taste und es ist eine wahre Freude, auch längere Texte zu verfassen.

Schalter


Zum Test standen mir die Lioncast LK20 mit braunen und mit blauen Schaltern zur Verfügung. Beide Varianten haben ihre Vorzüge, unterscheiden sich aber stark voneinander. Modelle mit braunen Schaltern gelten als Allrounder und haben einen fühlbaren Umschaltpunkt, aber einen nicht fühl- oder hörbaren Klickpunkt. Die blaue Variante ist beim Klickpunkt fühl- und hörbar, was den Einsatzort einschränken könnte. Ruhige Büroräume sind da weniger geeignet.

Die blauen Switches geben eine gute Rückmeldung
Grundsätzlich ist es jedoch Geschmackssache, welche Schalter man bevorzugt. Die blauen Schalter benötigen mit 50g minimal mehr Kraftaufwand für die Betätigung, die braunen 45g. Wobei bei beiden Modellen weniger von 'Kraft' gesprochen werden kann, das Eigengewicht eines Finger reicht bereits aus, um eine Taste zu betätigen, was einen genialen Schreibfluss zur Folge hat.

Die hochwertigen Cherry-Switches sind für eine lange Lebensdauer konzipiert, es wird eine durchschnittliche Lebensdauer von bis zu 50 Millionen Anschlägen angegeben. Umso wichtiger ist dann die Verarbeitung der Tastatur, da gewisse Sollbruchstellen dadurch wesentlich schwerer wiegen.

Anwendungsbereich


Die LK20 ist durch die bewusste Fokussierung auf Kompaktheit und Robustheit zwar durch und durch auf Spieler ausgelegt, doch es ist eine Tastatur, die jedem Anwendertyp gerecht werden kann. Der Gamer freut sich über das hohe Gewicht und das Weglassen unnötiger Sondertasten.

Auch farbige Ersatzkappen liegen dem Paket bei - optimal
für Gamer
Sonderfunktionen können mittels der Fn-Belegung der Funktionstasten aufgerufen werden, was den Typ 'Multimedia' ansprechen würde. Auch Vielschreiber werden angesprochen: Die Entstehung eines runden Schreibflusses, eines Flows, sorgt für langes und ermüdungsfreies Arbeiten an umfangreichen Texten. Die Handballenauflage stimmt auch die letzte Person um, der die Tastatur zu hoch ist.

Fazit


Es ist schade, dass Lioncast aus der Masse an Herstellern, die Tastaturen und Gaming-Produkte auf den Markt bringen, nicht deutlicher hervortritt. Mit der qualitativ sehr hochwertigen Verarbeitung der getesteten LK20 kann sich das Gerät mit einem Verkaufspreis von knapp 80 Euro gegen deutlich teurere Mitbewerber behaupten und zeigt, dass auch Hersteller, die 27 Jahre mehr Erfahrung als Lioncast mitbringen, problemlos überholt werden können.

Gute Sichtbarkeit bei Dunkelheit
Ich bin froh, auf die Lioncast LK20 gestoßen zu sein. Die mühselige Suche nach einer langlebigen und guten, mechanischen Tastatur ist damit erfolgreich gewesen. Lediglich die Wahl der Schalter hängt vom persönlichen Schreibempfinden ab – als Produkt ist die LK20 mit allen Switches uneingeschränkt zu empfehlen.

Bewertung


Technik 10/10
Ausstattung 9/10
Ergonomie 9/10
Verarbeitung 10/10

Kommentare:

  1. Hi Stephan!
    Ich habe schon mehrmals von Lioncast gehört, fand diese Marke aber auch eher unbekannt. Umso schöner ist es, einen so positiven Testbericht von dir zu lesen. Der erste Eindruck dieser Tastatur ist ja wirklich super, gerade optisch.
    Gruß, Daniel

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    1. Hi Daniel!
      Vielen Dank für die positive Rückmeldung!
      Die Tastatur habe ich immer noch im Einsatz und kann meinen Ersteindruck bestätigen. Es scheint ein sehr langlebiges Gerät zu sein. Zudem die Optik tatsächlich zeitlos ist.
      Gruß
      Stephan

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